Heem – ein interlebensanschauliches „Kloster“

Sophie Mantel

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Heem – ein interlebensanschauliches „Kloster“

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[origineel]

Heem ist ein grüner und kreativer Besinnungsort, an dem man sich auf niederschwellige Weise auf die Begegnung mit verschiedenen Religionen und Lebensanschauungen einlässt. Wir tun dies durch die gemeinsame Arbeit im Garten und durch Kunstaustausch. Wir glauben, dass man durch diese Formen des Zusammenseins auf atemgebende Weise zu echten interlebensanschaulichen Begegnungen kommen kann.

Wir sind eine Initiative, die auf einen Ansatz abzielt, der die Unterscheidung zwischen religiös und säkular überwindet. Heem möchte das Bewusstsein dafür stärken, dass wir alle eine lebensanschauliche Position haben und wir glauben, dass diese in der Begegnung mit anderen Menschen und dem Anderen (wieder)entdeckt werden kann. Es gibt Unterschiede, und wir geben ihnen einen Platz. Bei Heem wollen wir uns üben im Bewusstsein, dass Unterschiede verwundern statt entfernen.

Man könnte Heem ein interlebensanschauliches „Kloster“ nennen. Unsere (vorläufige) Positionierung rund um die Benediktinerabtei St. Adelbert in Egmond-Binnen symbolisiert einen generationenübergreifenden Ansatz, bei dem wir das Erbe dieses historischen Ortes wiederwerten, wiederbeleben und an eine neue Generation weitergeben, dies aber auf experimentelle Weise mit neuen Formen, die dem aktuellen Zeitgeist entsprechen.

Heem bedeutet frei übersetzt Umgebung. Heimatkunde ist das Studium des eigenen Lebensumfelds und der Name ist unsere Alternative zum Wort ‚ontheemd‘ – entfremdet. Es klingt auch ein bisschen wie das englische Wort „home“. Der Klang hat etwas ‚Geborgenes‘, was gut zu dem Ort passt, den wir uns vorstellen.

Warum diese Initiative?

In unserem Verlangen nach gegenseitiger Verbindung in unserer Gesellschaft sollte der Lebensanschauung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eigentlich macht jeder etwas mit Lebensphilosophie. Im Jahr 2021 sind wir nicht so sehr weniger religiös, aber wir erleben Religion anders: individueller, flexibler, gemischter. Letztlich geht es bei der Lebensphilosophie um die eigene Sicht des Lebens und betrifft daher fast jeden in gewissem Maße.

Mit neugierigem Blick und einem Bedürfnis nach Sinn wollen wir uns (wieder) mit verschiedenen Lebensphilosophien vertraut machen – entweder der Wiederentdeckung unserer eigenen oder anderer Wurzeln -, wissen aber nicht gut wie. Es scheint, als ob wir ein bisschen vergessen hätten, wie sich begegnen geht. Unbehagen oder Angst, das Falsche zu tun und damit den anderen ungewollt zu verletzen, hält uns davon ab, den Schritt auf den anderen und das Andere zuzugehen, was zu einer Polarisierung führt.

Der Zusammenhang in der Gesellschaft ist dadurch ungewiss. Gerade jetzt, wo wir als Welt vor großen Herausforderungen stehen, ist eine interreligiöse Begegnung, ein Verstehen dessen, was den anderen im tiefsten Sinne bewegt, eine reine Notwendigkeit, um eine Zusammenarbeit im gegenseitigen Vertrauen zu erreichen.

Was macht Heem?

Heem organisiert ab 2022 vier saisonale Tage und 45 wöchentliche „Komm-Rein-Tage“. Während der saisonalen Tage folgst Du einem Tages- und Abendprogramm, bei dem sich Gartenarbeit und Kunstprogramm (einschließlich Mittag- und Abendessen) abwechseln. An den „Komm-Rein-Tagen“ gibt es kein festes Programm, sondern man kann mehr auf eigene Faust tun: in der Natur entspannen, lesen, studieren, arbeiten oder in den Gärten mithelfen (einschließlich Mittagessen). Zusätzlich zu diesen Tagen wollen wir edukative Workshops und maßgeschneiderte Heem Heide Tagen organisieren.

Das Besondere an Heem ist, dass der Fokus auf der organischen und kreativen Begegnung und nicht auf dem (theoretischen) Dialog liegt. Eine Begegnung ist so viel mehr als „nur“ der Dialog, denn was passiert jenseits der Worte? Wie begegnet man anderen Menschen und dem Anderen jenseits der Sprache?

Gemeinsam für die Erde zu sorgen, hilft. Trotz unterschiedlicher lebensanschaulicher Orientierungen ermöglicht die gemeinsame Sorge um unser Leben, Zusammenleben und Überleben die Entdeckung gemeinsamer Werte und die Erfahrung von Ehrfurcht vor der Natur. Durch diese Form des gemeinsamen Widerstands (co-resistence) wird unsere gemeinsame Basis sehr konkret: Es ist die Natur, die uns allen am Herzen liegt und die wir in Heem gemeinsam pflegen, indem wir bei der Pflege der (Nutz-)Gärten der Abtei helfen.

Auch die Kunst bietet uns eine ganz andere Form der Begegnung. Sie hat die erweiternde Kraft, buchstäblich in unsere funktionale Wahrnehmung einzubrechen, was uns dazu bringt, einander und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die Kunst macht Dinge möglich, die man nie für möglich gehalten hätte, auch bei Begegnungen. Ein interreligiöser Poetry Slam, die schönsten jiddischen Lieder, vorgetragen von einer Live-Band, ein theatralischer Monolog über „entschöpfen“ – all das findest Du bei Heem. Langfristig wollen wir auch einmal im Jahr eine Künstlerresidenz (artists in residence) schaffen, wobei der Schwerpunkt auf „Interlebensanschauung“ liegen soll.

Wer?

Heem ist eine Initiative der Theatermacherin und Künstlerin Sophie Mantel. Sophie wuchs in einer reformierten Familie auf, wo sie schon früh von den Vorgängen in der Kirche fasziniert war. Mit ihrer Stiftung „Het Andere Kijken“ (das andere Schauen) macht sie (Kunst-)Projekte über die interlebensanschauliche Begegnung. Eine Sparringspartnerin findet sie in der Hydrologin und Theologin Samira I. Ibrahim, die sich vor allem in der wissenschaftlichen Forschung engagiert und sich über verschiedene Projekten für den Aufbau nachhaltiger, integrativer und wehrfähiger Gemeinschaften einsetzt.

Darüber hinaus entsteht Heem in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern und Ehrenamtlichen der Abtei St. Adelbert. Ab 2022 wird Heem sowohl inhaltlich als auch finanziell durch das Programm Space for Grace unterstützt, das Teil des Porticus-Fonds ist.

www.heemen.nl